Was ist Gestalttherapie?

Die Gestalttherapie ist ein humanistisches und erfahrungsorientiertes Verfahren, das Menschen dabei unterstützt, wieder mehr mit sich selbst, ihren Gefühlen, Bedürfnissen und ihrer Lebendigkeit in Kontakt zu kommen.

Im Zentrum der Gestalttherapie steht die Annahme, dass persönliches Wachstum nicht durch Selbstoptimierung oder das ständige Bemühen, jemand anderes zu werden, entsteht. Veränderung geschieht vielmehr dann, wenn wir uns erlauben, uns bewusst und ehrlich so wahrzunehmen, wie wir im gegenwärtigen Moment sind.

Viele Menschen haben im Laufe ihres Lebens gelernt, bestimmte Gefühle, Bedürfnisse oder Persönlichkeitsanteile zurückzuhalten, um dazuzugehören, Konflikte zu vermeiden oder sich vor Verletzungen zu schützen. Diese oft unbewussten Anpassungen waren ursprünglich sinnvolle Überlebensstrategien. Im Erwachsenenalter können sie jedoch dazu führen, dass wir uns von uns selbst entfremden, uns blockiert fühlen oder immer wieder in ähnliche Muster geraten.

Die Gestalttherapie unterstützt dabei, diese Muster bewusst zu erkennen, die eigene Wahrnehmung zu vertiefen und neue Erfahrungen im Hier und Jetzt zu ermöglichen. Dabei geht es weniger um die Analyse der Vergangenheit als um das Erleben dessen, was sich im aktuellen Moment zeigt – in Gedanken, Gefühlen, Körperempfindungen und im Kontakt mit anderen Menschen.

Ein zentrales Anliegen der Gestalttherapie ist die Förderung von Selbstverantwortung, Selbstunterstützung und authentischem Selbstausdruck. Durch einen bewussteren Kontakt zu sich selbst entstehen mehr Wahlmöglichkeiten, innere Freiheit und die Fähigkeit, das eigene Leben aktiv zu gestalten.

Die therapeutische Beziehung spielt dabei eine zentrale Rolle. Gestalttherapie versteht Heilung nicht als etwas, das „gemacht“ wird, sondern als einen Prozess, der in einem vertrauensvollen und echten zwischenmenschlichen Kontakt entstehen kann.

"Veränderung tritt ein, wenn jemand wird, was er ist, nicht wenn er versucht, etwas zu werden, das er nicht ist."
Arnold Beisser

Mögliche Themen und Anliegen in der Gestalttherapie (unvollständige Liste):

  • Schwierigkeiten, die eigenen Gefühle wahrzunehmen oder auszudrücken

  • Wiederkehrende Beziehungsmuster

  • Konflikte in Partnerschaft, Familie oder Beruf

  • Niedriger Selbstwert

  • Übermässige Anpassung an die Erwartungen anderer

  • People Pleasing

  • Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen

  • Innerer Druck und Perfektionismus

  • Erschöpfung und das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen

  • Entscheidungsprobleme

  • Blockaden und Aufschieberitis

  • Gefühl von Sinnlosigkeit oder Orientierungslosigkeit

  • Angst vor Ablehnung oder Kritik

  • Scham- und Schuldgefühle

  • Schwierigkeiten, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen

  • Hemmungen im authentischen Selbstausdruck

  • Wiederkehrende Konflikte zwischen dem Wunsch nach Nähe und dem Bedürfnis nach Freiheit

  • Krisen, Übergänge und persönliche Neuorientierung

  • Psychosomatische Beschwerden

  • Wunsch nach mehr Lebendigkeit, Präsenz und Selbstkontakt

Wer sich tiefer über Gestalttherapie informieren möchte, dem empfehle ich:

Literatur: Bruno - Paul de Roeck, Gras unter meinen Füssen. Albrecht Boeckh, Gestalttherapie – Eine praxisbezogene Einführung. Fritz Perls, Gestalttherapie in Aktion.

Geometrisches Logo, grünes sechseckiges Symbol mit Linien und Flächen.

Haltung in der Gestalttherapie

Einige für mich wesentliche Aspekte der gestalttherapeutischen Begleiterhaltung sind:

  • Achtsamkeit und Präsenz: Der Fokus liegt auf dem gegenwärtigen Moment, auf dem, was gerade passiert – sowohl in deinem inneren Erleben als auch im Kontakt zwischen dir und mir.

  • Dialogische Beziehung: Ich und Du - wir begegnen uns auf Augenhöhe. Es geht um authentischen Kontakt, in dem wir beide unsere Wahrnehmungen und Empfindungen in die therapeutische Beziehung einbringen dürfen.

  • Förderung der Selbstwahrnehmung: Du wirst ermutigt, dich deinen Gefühlen, Gedanken und Körperempfindungen bewusst zu werden. Diese gesteigerte Selbstwahrnehmung hilft dir dabei, eigene Muster zu erkennen und neue Handlungsmöglichkeiten zu finden.

  • Klientenzentriert : Anstatt Lösungen oder Ratschläge zu geben, lade ich dich ein, deine eigenen Antworten zu finden. Dies geschieht oft durch experimentelles Erforschen von Situationen oder Emotionen.

  • Gleichgewicht zwischen Unterstützung und Herausforderung: In meiner Begleitung biete ich dir sowohl Halt als auch sanfte Konfrontation, um dich dabei zu unterstützen, Wachstum und Veränderung zu ermöglichen, ohne dich dabei zu überfordern.

  • Integration von Körper und Geist: Da ich den Menschen als Ganzes betrachtet, werden nicht nur mentale, sondern auch körperliche Prozesse in die Therapie einbezogen. Deine körperliche Empfindungen und Bewegungen können dir Aufschluss über deine emotionalen Zustände geben.

«Was ist, darf sein, und was sein darf, kann sich verändern.»

Werner Bock